"Nach ein paar erfolglosen Versuchen bei Online-Kontaktbörsen bin ich im Januar 2004 in der Süddeutschen auf eine Parship-Anzeige gestoßen: Wäre doch interessant zu wissen, ob da auch lesbische Kontakte vermittelt werden, dachte ich mir ... Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht auf Partnerinnen-Suche gehen wollte (Prüfungsstress), fand ich meine Testergebnisse dann so überzeugend, dass ich weiterklickte und auch bald schon Kontaktgesuche empfing und versandte. Das plätscherte etwa zwei Wochen vor sich hin - manche Korrespondenz war eher flau, bei mancher sah man relativ schnell, dass es trotz hoher Matching-Punktzahl nicht so recht passte und beendete den Kontakt in beiderseitigem Einvernehmen. Dann kam Susannes Gesuch. 70 Punkte. Nicht schlecht. Und weiter? Die geborene Unternehmerin sicherte sich ihren 'Marktvorteil' vor allem durch ihre Selbstbeschreibung.
Sie hatte die Rubrik 'Sie über sich' so formuliert, dass ich stellenweise den Eindruck hatte, sie beziehe sich dialogisch auf meine Angaben und stellte sich mir so bereits als das passende Gegenstück vor. Für mich war das Liebe auf den ersten Klick! Damit war also schon ein lockerer, humorvoller Einstieg in eine persönliche Korrespondenz geschafft, in der von Anfang an einfach alles passte: Sie war seriös und witzig zugleich, entgegenkommend, ohne zu schmeicheln, exzentrisch mit stabiler Bodenhaftung, in vielem ganz anders als ich und deshalb für mich umso faszinierender. Dass sie eine sehr gute Zuhörerin ist - eine Eigenschaft, die mir in zwischenmenschlichen Beziehungen besonders wichtig ist -, merkte ich bereits daran, dass sie in den Mails auf viele Einzelheiten aus meinem Profil und der anfänglichen Korrespondenz einging, die sie sich offenbar gemerkt hatte.
Wir mailten uns regelmäßig im Ein-/Zwei-Tages-Rhythmus, die Korrespondenz wurde auf Privatmails verlegt, es wurden Fotos ausgetauscht (sie schickte mir fatalerweise zwei, auf denen sie völlig verschieden aussah), dann telefonierten wir - beim ersten Mal gleich drei Stunden. Vier Wochen nach der Kontaktaufnahme hatten wir bereits unser erstes Date. In Würzburg, nicht ganz auf halber Strecke zwischen ihrem Wohnort Marburg und Nürnberg, wohin ich gerade erst gezogen war. Nervös wurde ich erst, als wir uns wirklich gegenüberstanden (tatsächlich, 1,80 groß; wirkt aber gar nicht so, sie ist sehr zierlich ...). Susanne hingegen war, wie sie mir später erzählte, super aufgeregt schon vor dem Treffen und holte sich Beistand von Freunden. Ein Freund machte ihr Mut, indem er meinte: 'Den wichtigsten Schritt hast du mit deiner Anmeldung bei Parship doch schon unternommen, nämlich die Entscheidung, dich auf eine neue Begegnung einzulassen. Das war die 'Pflicht' - nun folgt die 'Kür'.
Wir irrten zunächst etwas ziellos durch die Stadt, fanden ein Café, brauchten etwas 'Warmlaufzeit'. Sehr hilfreich erwies sich dabei auch ein kleiner Besichtigungsbummel durch kulturelle Highlights wie die Residenz und den Dom. Das können wir nur wärmstens empfehlen, weil es den Fokus und die Aufmerksamkeit so auch mal in alternative Themen abzuleiten hilft, über deren Diskussion man auch einiges vom anderen mitbekommt.
Erst spät abends, nachdem sich die Anspannung deutlich gelöst und wir uns beim Abendessen auf einem Stimmungspegel zwischen Rumalbern und knisterndem Flirten eingependelt hatten, trennten wir uns - nach intensivem ersten Kuss mitten in der Fußgängerzone von Würzburg. Bei dieser Gelegenheit lernte ich erstmals die konkreten, lebenspraktischen Vorzüge der (umwerfenden) androgynen Optik meiner Süßen kennen und schätzen! Denn was für heterosexuelle Paare selbstverständlich ist, erregt bei gleichgeschlechtlichen Partnern leider immer noch häufig eher unangenehme Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. - Eine Woche später habe ich mir auch schon eine Bahn-Card zugelegt, die ich seither regelmäßig nutze!"
Petra (32), Lehrerin