Zunächst das Klischee der homosexuellen Welt: Der schwule Mann ist vermeintlich Jäger und Sammler. Lieber eine offene und lockere Beziehung, immer die Augen offen für „Frischfleisch“, als sich in feste Hände zu begeben. Die lesbische Frau ist die Träumerin, sagt man. Der Witz „Was bringt eine Lesbe zum zweiten Date mit? – Den Umzugswagen“ bezeugt dieses Vorurteil. In jedem Klischee steckt ein Funken Wahrheit. Und doch lassen sich nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Was davon isind Verallgemeinerungen, was realistische Betrachtung der Community? Weg vom Volksmund, hin zu den Menschen. Nicht alle sind gleich. Schon gar nicht die gleichgeschlechtlich Liebenden.
Es gibt sie, die schwulen Männer, die eine feste Beziehung in ihrer Sturm und Drang-Zeit als überflüssig ansehen und sich ausleben möchten. Und auch die lesbischen Frauen, die beim ersten Kaffee schon von ihren festen Vorstellungen des Lebens erzählen, dem Haus, der Hochzeit, den Kindern. Zurückzuführen sind diese Stereotypen auf zweierlei: traditionelle Geschlechterrollen gepaart mit dem Zusatz, sich in einer Randgruppe zu Recht finden zu müssen. Der Mann, geballtes Testosteron, ruhig und zielgerichtet. Man nehme das ganze Mal zwei und schon ist das Klischee perfekt. Die Frau, mit mütterlichen Instinkten, emotional und vorausschauend. Zwei davon ergeben ein Klischee. Einige Verhaltensweisen sind genetisch programmiert und in der Erziehung gefördert. Diese von sich zu weisen wird schwer. Sich dessen bewusst zu sein, daraus das Beste zu machen und es mit der eigenen Vorstellung für zwischenmenschliche Nähe zu kombinieren - darin liegt die Aufgabe.
Jäger, der: jemand, der auf die Jagd geht (Quelle: Duden)
In der Definition geht es um die Beschaffung von Lebensmitteln. Adaptieren wir es auf die Jagd nach Aufmerksamkeit, Bestätigung und Liebe. Diese drei Dinge benötigt jeder Mensch wie die Luft zum atmen. Wie Jäger laufen Menschen umher und suchen. Man hat jagenderweise die Freiheit, zu wählen, von wem man was bekommen möchte. Das Problem? Der Jäger hat seine Beute vor Augen. Feste Vorstellungen zerstören den Genuss.
Im Klartext: Ein Mensch ist stets auf der Suche. Bevor er sich selbst versteht, hat er schon feste Vorstellung von der Person, die ihn verstehen soll. Eine hohe Erwartung? Sogar anmaßend. Denn seinem Gegenüber Grenzen zu setzen, ohne sich der eigenen bewusst zu sein ist nicht möglich.
Träumer, der: Mensch, der gern träumt, seinen Gedanken nachhängt und mit der Wirklichkeit nicht recht fertigwird. (Quelle: Duden)
Realitätsfremd und -scheu, gefangen in der Utopie. Anders als der Jäger visualisiert der Träumer nicht nur sein Ziel, sondern alles, was damit zusammenhängt. Die Umwelt, andere Akteure und Gefühle.
Beeinflusst durch Wertevorstellungen und beflügelt durch idealisierte Romantik bastelt ein Träumer sich seine Welt. Die Gefahr? Dass der Traum irgendwann so schön ist, dass die Realität keine Chance hat, mitzuhalten. Und die Sicherheit, die einem der Traum suggeriert. Es ist sehr viel einfacher, einer Vorstellung hinterher zu laufen, als in der wirklichen Welt zu bestehen und jede Seite eines Menschen zu betrachten.
…entweder passt es - oder nicht. Klein Träumerle kann ebenso inspirierend sein, wie das werte Jägerlein zu bändigen ist. Schwierig wird es, wenn sie Anderen ihre feste Vorstellung einer Lebensform aufdrücken wollen.
Kann man sie denn verändern? Das ist weder möglich noch notwendig. Alternative Wege aufzeigen und einen davon gemeinsam gehen – das klingt doch schon viel besser. Denn wer einander inspiriert und voranbringt, bereichert nicht nur das eigene Leben.